Warum Webseiten Sperrungen schlecht für Deutschland …und die Welt sind
Der letzte Schrei in Sachen E-Governance scheint inzwischen das Errichten von virtuellen Mauern in Form von Website-Filtern zu sein. Das funktioniert in der realen Welt ja auch so super. Und weil wir Deutschen schließlich genug Erfahrungen mit Mauern haben *hint hint*, preschen die bundesdeutschen Wohlstandsverweser, aka Politiker, jetzt auch fesch voran in Sachen Webfiltrierung.
Das Australien gerade einen massiven Supergau mit eben solch einer Filter-Liste erlebt (hat), ist eventuell noch nicht zu den twitternden Medienwächtern vorgedrungen.
Warum also solch eine Liste nichts bringt, was E-Governance wirklich mal werden sollte und was eigentlich in Australien passiert ist…click to read
Erstmal zum technischen Schnick-Schnack. So wie es aussieht, wollen unsere Politiker eine Liste von Website-Adressen aufstellen, die dann automatisch von den ISP’s (den Zugangsprovidern) geblockt werden soll (Link zu Spiegel.de). Soweit, so undurchdacht. Denn es gibt wirklich nichts, aber auch gar nichts, an Filtermöglichkeiten, die sich im Internet mit genug krimineller Energie nicht umgehen lassen. Siehe kopiergeschützte Spiele…man muss nur wissen wie. Da fallen mir spontan so Sachen wir JAP (http://anon.inf.tu-dresden.de/) , das TOR-Netzwerk (http://www.torproject.org/index.html.de) und einfache Verschlüsselung von Dateiinhalten ein.
Das zweite Problem ist, ist die unglaubliche Manpower die man braucht um so eine Liste aktuell zu halten. Wie alle versierten Internet-Nutzer wissen, entstehen täglich abertausende von neuen Seiten, auf denen natürlich potentiell filter-würdige Inhalte liegen könnten. Leider gibt es aber keine Liste von “Heute neu erschienenen Internetseiten”, die man nach und nach abarbeiten könnte. So bleibt vieles im Dunkel des Internets für immer verborgen, auch dem BKA…oder dem Justizministerium….oder der Familienministerin…
Womit wir schon beim dritten Problem wären: Wer ist eigentlich für so eine Filter-Liste zuständig? Und wem ist dieser Jemand verpflichtet. Denn auch wenn im Moment mit dem sensiblen Thema Kinderpornographie für den Einsatz von solchen Listen geworben wird, was hält Irgendjemanden davon ab, mit ebendieser Liste Schindluder zu treiben. Wie es im Spiegel.de Artikel heisst: Online-Pokern, unliebsame Importeure, der impertinente Taubenzüchterverein aus dem Nachbardorf…wenn man einmal dem Lobbyismus die Tür öffnet, dann nimmt er gleich den ganzen Saal in Besitz.
Wen könnte dann beispielsweise ein Importeur von Volkswagen Modellen aus den USA, die hier nicht angeboten werden (Jetta z.B.) verklagen? Oder könnte er einfach gleich seinen Laden dichtmachen? Wer kontrolliert also die Zugangswächter. Und wer in der Regierung hat genug Sachverstand die eigentliche Implementierung vor Ort, also bei den ISP’s, auf Regelkonformität zu prüfen. Ich sehe die Schlagzeile “Internet für 2 Tage für Alice Kunden blockiert” schon vor mir. Der Telekom würde sowas natürlich nicht passieren, die sind ja zuverlässig *hust*.
Um die Anderen Punkte noch abzuhaken: Australien hat eine solche Liste wohl schon aufgebaut. Und diese Liste ist dann Mitte letzter Woche auf der Seite Wikileaks.org veröffentlicht worden. Bevor sie effektiv im Einsatz war. Zuerst wurde dann die richtigkeit der Liste dementiert. Danach wurde dem Veröffentlichenden mit Strafverfolgung gedroht. Sehr erfolgsversprechend wirkt das nicht. Und auf dieser Liste findet sich z.B. schon partypoker.com . Prost Mahlzeit. (Link zum Artikel auf Arstechnica.net, der auch die in Australien durchgeführten Studien zur Wirksamkeit von Filtern diskutiert)
Und zur Definition von E-Governance: http://de.wikipedia.org/wiki/E-Government
Das ist wirklich mal wieder ein Unding unseres ach so tollen liberalen Rechtsstaats. Vor allem schiebt man werbewirksam Kinderschänder vor, um der totalen Überwachung mal wieder ein Stück näher zu kommen. Grade die Frage, wer bestimmt, welche Seiten erlaubt und welche verboten sind ist sehr interessant.