So, der Spiegel hat ein Interview mit der “Erfolgsautorin” Else Buschheuer geführt. Dort rührt sie die Werbetrommel für ein erst noch zu erscheinendes, bis jetzt nicht geschriebenes Buch und erklärt uns, warum sie dafür mit dem Bloggen aufhören muss.

Das bloggen macht nämlich ihren Romanen Konkurrenz. Ein paar Zitate gefällig? Gerne:

  • Ich bin mir sicher, dass ich mein bestes Buch noch nicht geschrieben habe – und dass mein Internet-Tagebuch einer der Vorwände war, mich davon abzuhalten
  • Wenn man sich aber diese kleinen Geschichten selbst wegnimmt und sie sofort publiziert, weil da dieser Drang ist, die Leser zu füttern – dann sind die Leser irgendwann satt
  • Ich war vier Jahre lang eine Schriftstellerin, die von ihren Romanen leben konnte. Durch das systematische Bloggen habe ich den Wert meines Schreibens zerstört.

Oha, der 3. Punkt hat es ja in sich. Da entzieht sich jemand durch das trendige mitbloggen die Lebensgrundlage. Denn wie wir weiter im Interview lesen:

  • Warum soll ein Leser für jemanden bezahlen, den er umsonst haben kann?
  • Jeden Tag klicken meine Leser meine Internet-Seite an und lesen über meine Einsamkeit, mein Scheitern, meine kleinen Freuden. Schreibe ich zwei Tage nicht, krakeelen sie. Aber sie kaufen meine Bücher nicht, ich habe sie total verzogen
  • Für mich verhält sich das Twittern zum Bloggen wie Methadon zum Heroin – ich muss von der Droge loskommen

Ist klar. Nicht nur, dass sie vorher gründlich darlegt, dass Blogs und Bücher zwei inhaltlich völlig unterschiedliche Medien sind, nein, auch süchtig machend ist bloggen natürlich. Und zwar ungefähr so wie Heroin. Na gut, wenn sie sich damit die Lebensgrundlage entzieht, bitteschön. Finde ich etwas hart diesen Vergleich.

  • Ach, diese Kommentarschmarotzer, die überall auf anderer Leute Domains rumblöken, am liebsten anonym, denen biete ich kein Forum. In meinem Tagebuch schreibe ich, was ich zu sagen habe. My homepage is my castle – und dort gibt es nur eine Bestimmerin: Mich.
  • Ich wollte wissen, wer meine Leser sind, wollte direkt erreichbar sein. Dennoch ist das Netz für mich ein einsamer Ort. Es gibt zwar einen Dialog mit dem Leser – aber nur via E-Mail, keinen öffentlichen Diskurs.

Ich halte fest: Ich hab keinen Bock auf Kommentare von so Internet-Schmarotzern. Schade ausserdem, dass der Dialog nicht öffentlich stattfinden kann. Ja was denn nun?

Zusammenfassend: Wer bloggen will, sollte sich der Vernetzungsmöglichkeiten der Blogosphäre bewusst werden, die Dialogformen mit all ihren Vor- und Nachteilen nutzen und seinen Dayjob weiterhin betreiben. Nicht dass wir demnächst in der Bild lesen müssen “Blogger tot – die Sucht wars”.

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